Ofenkachelbruchstücke – Ausgrabung Großenmeer 2006
von Margarete Rosenbohm-Plate

Walter Janssen-Holldiek [1] schreibt, dass aus dem Landkreis Oldenburg „nur wenig Beweise für den Gebrauch von Kachelöfen aus dem 16. und 17. Jahrhundert“ vorliegen. Jedoch sind bei der Ausgrabung in Großenmeer 2006 viele Kachelfragmente ans Tageslicht gekommen. Im Kirchenvisitationsbericht von 1609 heißt es, dass der Prediger Johann Rockingius ein Pfarrhaus (Wedeme) bewohnte, die Stube des Pastors kein Pflaster hatte und er Fenster und Kachelofen aus eigener Tasche bezahlen musste. Die Kachelfragmente und die Erwähnung im Visitationsbericht können ein Hinweis auf die Existenz eines Pfarrhauses an diesem Ort sein.

Eine Produktionsstätte für Ofenkeramik könnte lt. Jörg Eckert [2] in Oldenburg (Funde in einer Grube auf dem Baugelände an der Elisenstraße) gewesen sein. Dort wurden 1988 u.a. „zahlreiche Bruchstücke von grünglasierten Bildkacheln, die zu den großen Kachelöfen des 16. Jh. gehörten bzw. dafür hergestellt waren“[3], gefunden. H.G. Steffens hatte das schon 1972 bei einer Ausgrabung an der Gaststraße vermutet: „Das Bruchstück einer Kachelform und mehrere Fehlbrände von Kacheln lassen erkennen, dass man im Oldenburg des 16./17. Jh. glasierte Ofenkacheln hergestellt hat.“ [4]

Janssen-Holldiek vermutet ein Produktionszentrum in Bremen, Wildeshausen, Dwoberg oder Lübeck [5]. Heinz-Günther Vosgerau [6] beschreibt Ofenkachelbruchstücke von Abwurfhalden der Wildeshauser Töpfer und meint, dass in unserm Raum zwar Kacheln produziert, die Formen aber anderswo erworben wurden.

Die folgenden Kachelbruchstücke wurden 2006 während der Grabung in Großenmeer gefunden:

Die quadratische, grün glasierte typisierte Medaillonkachel eines Regenten, wahrscheinlich Karl V., (rechts) ist typisch für die Frührenaissance (zweites Drittel des 16. Jh.). Das Portrait ist von einem mit angedeuteten Akanthusblättern geschmückten Doppelbogen umgeben. Die Zwickel zeigen ein einfaches geometrisches Motiv.

Zum Vergleich ist eine Medaille von Hans Bolsterer, 1547 [7], dargestellt (links), die Kaiser Karl V. zeigt.

 

 

 


Fragmente einer schwarz (?) lasierten Kachel mit Architekturrahmen;
im Innenbild: die nackten Beine einer Frau (auch der linke Fuß ist
deutlich zu erkennen), rechts neben ihr sitzt eine Katze, links von
ihr eine Maus (?) (schlecht zu erkennen).


Zwei Gesimskachelbruchstücke


Bruchstücke einer Medaillonkachel mit Teil eines Zwickels                        Kopffragment
und Bogen mit Akanthusblättern.


Gesimskachelbruchstück                                                                         Fragmente von grünglasierten Renaissancekacheln


Grünglasierte Kachelfragmente mit Vasen


[1] Walter Jassen-Holldiek: Renaissance- und Barock-Ofenkacheln aus Funden auf zwei Linteler Althöfen. Oldenburg 1996. S. 29
[2] Jörg Eckert: Archäologische Untersuchungen an der mittelalterlichen Stadtmauer von Oldenburg. In: Oldenburger Jahrbuch 1994. S. 310
[3] Jörg Eckert, S. 306
[4] H.G. Steffens: Fundchronik 1972. In: Oldenburger Jahrbuch 72, S. 185
[5] Jannsen-Holldiek, S. 36
[6] Heinz-Günther Vosgerau: Töpferzentrum Wildeshausen. Nordwestdeutsche Keramik aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Cloppenburg 1993, S. 67ff
[7] deutscher Bildhauer, Bildschnitzer und Medailleur. Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, 1547, Münzkabinett
Inventarnummer BJB5535
     Material und Technik: Silber, vergoldet, gegossen, Öse, Maße: 30,3 x 48,3 mm, Gewicht: 9,77 g, Ländermedaille


zuletzt geändert am  9.4.12